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Die Geschichte des "Indischen Grabmals" wird nun seit beinahe neunzig Jahren erzählt – und zwar in verschiedenen Medien und in immer neuen Variationen. Am Anfang stand der Roman von Thea von Harbou, der 1918 im Ullstein-Verlag erschien, rasch zum Bestseller wurde und sich als Longseller erwies - bis heute wurde das Werk mehrfach neu aufgelegt.1921 wurde dann die erste Seite im Kapitel der Variationen des Stoffes aufgeschlagen: Der damals berühmte Regisseur Joe May 'baute' das indische Grabmal auf Zelluloid. Thea von Harbou und Fritz Lang, die ein Jahr später heiraten sollten, schrieben das Drehbuch für diesen monumentalen Stummfilm und arbeiteten bereits Namen und auch Funktionen einiger Charaktere um. Wichtiger noch als diese Änderungen aber war die Umgestaltung des markantesten Gestaltungsmoments des Romans: Der Traumcharakter der Handlung wurde abgelöst durch eine Art von 'phantastischer Realität', in welcher beispielsweise der Yogi nicht den Naturgesetzen unterworfen zu sein scheint. 1937 trieb dann die einmal sehr bekannte Tänzerin und Schauspielerin La Jana in Eschnapur ihr Unwesen: Diese – damals erfolgreiche – Version des Regisseurs Richard Eichberg, die um ausschweifende Tanzszenen und die komische Figur Theo Lingens (nebst einem Affen) fragwürdig angereichert wurde, ist heute zu recht vergessen. Fritz Lang setzte dann 1958/59 um, was ihm 1921 noch verwehrt geblieben war – er war schon damals ursprünglich für die Regie vorgesehen gewesen. Seine in bunten Klischees über Indien schwelgende Variation des Stoffes ist dabei zwar einerseits die heute noch bekannteste Verfilmung. Andererseits vermag sie künstlerisch nicht an die Adaption von Joe May heranzureichen, noch weist sie große Gemeinsamkeiten mit der Romanvorlage auf, die allmählich, insbesondere hinter den bunten Farben des Langschen Großfilms, verblaßt ist.
Hier aber schließt sich heute der Kreis: Das Hörbuch "Das indische Grabmal" bildet den Auftakt zu der Reihe Filme zum Hören, die darauf zielt, die literarischen Werke, die hinter populären Filmklassikern stehen, in Form eines neuen Mediums wieder in den Blick zu nehmen bzw. diesen Gehör zu verschaffen. Die Lesung des erfahrenen Schauspielers und Regisseurs Rudolf Marnitz folgt dabei dem ungekürzten Text der Erstausgabe, der jedoch an einigen wenigen Stellen dem heutigen Sprachgebrauch angepaßt wurde.
