Inhalt:
Vier groteske Lebensgeschichten aus der Vojvodina1. Brillant
aus dem Ungarischen von Géza Deréky
74 Minuten
2. Juli
aus dem Ungarischen von Géza Deréky
82 Minuten
3. Die elf(11)jährige Braut
aus dem Ungarischen von György Buda
40 Minuten
4. Was, wenn wir hängen wie die Hunde
aus dem Ungarischen von György Buda
71 Minuten
Es lesen: Katharina Grabher und Andreas Kosek
Violine: András Fekete
Regie: Andreas Kosek
Aufnahme und Schnitt: Gregor Rasek
Overdub Recording Studios, Wien
Eine Co-Produktion des teatro caprile (Wien) und Sternklang, 2006.
"Ich kann erzählen. Und ich erzähle gerne," erklärt der Hirte mit der russischen Gewehrkugel im Leib in "Was, wenn wir hängen wie die Hunde". "Und man hört mir auch gerne zu, die Hirten aus dem Járás, das ist unser Weideland, Salzboden, so weit man sieht; und auch die Bauern rundum haben es gern, wenn ich ihnen etwas erzähle. Ich kann aus allem eine Geschichte machen. Aus jedem Scheiß. Aus allem. Außer aus meinem Leben. Das wollte mir irgendwie nie so richtig gelingen."
Und trotzdem vermitteln gerade die Geschichten seines Scheiterns mit ihren ruralen Metaphern und eigenwilligen Formulierungen, nicht zuletzt dank der "kongenialen Nachdichtungen" (Ilma Rakusa, NZZ) von György Buda und Géza Deréky, ein ungemein lebendiges, witziges und auch poetisches Bild vom Leben in der Batschka, jenem Landstrich der Vojvodina - einer Gegend Europas, in der bis zu zwanzig verschiedene Ethnien mit- und nebeneinander lebten und leben -, der sich zwischen Donau, Theiss und ungarischer Grenze erstreckt.
"Wer von Literatur mehr erwartet als das Aufrufen der neuesten Kommunikationstechnologien, wird in Tolnais ästhetisch zwingender Verschränkung von wuchernder Erinnerung und elaborierter Beschreibungskunst freilich unschwer einen europäischen Autor von Rang erkennen. Hier werden mit Sprache überwältigende Bildwelten erschaffen, die - bildlich gesprochen - irgendwie zwischen der hochartifiziellen Archaik der Filme von Andrej Tarkovskij und der grausam menschenfernen Schönheit jener von Terrence Malick liegen." (Klaus Nüchtern, "Falter" 17/2002)
"Es sind Sagen vom Ende der Welt, geschlossen wie der Mythos. [...] Es ist nicht auszuhalten. Es ist sehr gut." ("Der Standard", 20. April 2002)
"Tolnai intoniert keine Klage, sondern legt das Alltäglich-Ungeheuerliche seinen Figuren in den Mund ... Ungemein suggestiv entwirft Ottó Tolnai eine Welt, deren elementare Archaik ans Gewalttätige grenzt, ohne einen Rest von Poesie zu verleugnen." (Ilma Rakusa, "Neue Zürcher Zeitung", 18. Juli 2002)
"Ottó Tolnai ist als Lyriker, Prosaist, Dramatiker und Übersetzer eine der wichtigsten Figuren der ungarischen Gegenwartsliteratur. Seit diesem Jahr liegen vier Erzählungen Tolnais als Hörbuch auch in deutscher Sprache vor." (Radio Budapest, "Kulturspiegel" im deutschsprachigen Programm, 20. April 2006)
Das teatro caprile hat zwei der vier Erzählungen ("Brillant" und "Was, wenn wir hängen wie die Hunde") zusammengefasst und unter dem Titel "Batschka - Balkan" auf die Bühne gestellt. Die Uraufführung fand im Januar 2006 im Wiener "Cabaret Renz" statt. Aus dem Erfolg der Aufführungen erwuchs zunächst die Idee, einen Mitschnitt dieser Bühnenfassung als Hörspiel zu veröffentlichen, doch diese Idee entwickelte ein Eigenleben. Am Ende wurden alle vier Erzählungen unter der Regie von Andreas Kosek für die Wiedergabe als Hörbuch eingerichtet und im Studio produziert.
